Mit Hightech und künstlicher Intelligenz das Verborgene sichtbar machen
Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF
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Digital Engineering für Softsensorik mittels künstlicher Intelligenz
Die gebräuchliche Herangehensweise zur Messung verschiedenster Kenngrößen ist der Einsatz von Sensoren, welche eine Ersatzgröße messen, die in einem einfachen Zusammenhang mit der eigentlichen Kenngröße steht. Diese Sensoren werden auch „Hardwaresensoren“ genannt. Die Abbildung wird meist über Kennlinien realisiert. In vielen Fällen können direkte Messverfahren jedoch nicht eingesetzt werden, z.B. wenn
- Parameter aufgrund mangelnder Sensortechnik nicht direkt messbar sind,
- Sensoren zu teuer sind, vor allem wenn diese an vielen Punkten eines Prozesses eingesetzt werden müssten,
- Sensoren in einer Umgebung eingesetzt werden, in der sie schnell verschleißen würden.
Hier werden sogenannte Softsensoren (Virtuelle Sensoren) eingesetzt. Diese Sensorsysteme bestehen aus zwei grundsätzlichen Komponenten. Eine Komponente besteht aus einem oder mehreren Sensoren, welche indirekte Größen liefern, die in einem systematischen, aber mathematisch komplexen oder nicht analytisch beschreibbaren Zusammenhang mit der Zielgröße stehen. Die zweite Komponente ist ein physikalisches oder empirisches Modell, welches die Zielgröße aus den Sensordaten ermittelt. Während ein physikalisches Modell eine formelle Beschreibung liefert, enthält das empirische Modell eine Approximation der Funktion, welche die Sensordaten auf die Zielgröße abbildet.

Abbildung: Entwicklung eines Softsensorsystems
Das Kompetenzfeld Biosystems Engineering beschäftigt sich mit der Entwicklung von Verfahren der künstlichen Intelligenz und des Maschinellen Lernens, um schnell und effizient empirische Modelle auf der Basis von systematischen Beispieldaten zu erstellen. Dabei zeichnen sich diese Modelle durch folgende Merkmale aus:
Skalierbarkeit: Die Verarbeitungskomplexität kann graduell an vorhandene Hardware angepasst werden.
Robustheit: Das Modell ist robust gegen auftretende Variationen in den Daten, welche irrelevant zur Errechnung der Zielgröße sind.
Automatisierung: Modellerstellung und Methodenauswahl können weitestgehend automatisiert werden.
Echtzeitfähigkeit: Modelladaption und Wissensabruf genügen Echtzeitanforderungen.
Optische Chemometrie und automatisierte Analyse spektraler Daten
Die Erhebung spektraler Daten ermöglicht generell Rückschlüsse auf die stoffliche Zusammensetzung der untersuchten Probe. Im Falle der Verfügbarkeit ortsaufgelöster Spektraldaten (z. B. durch Spektralkameras, oder MALDI-Imaging) entstehen äußerst komplexe Datensätze, die spezielle Analyseverfahren erfordern, um die darin enthaltenen relevanten Informationen zu extrahieren. Hierzu betreibt das Kompetenzfeld Biosystems Engineering umfangreiche Forschungsarbeiten zur Entwicklung angepasster Algorithmen, die klassische Statistik und neueste Methoden des maschinellen Lernens und der künstlichen Intelligenz verbinden. Diese Forschungsarbeiten sind wiederum der Ausgangspunkt für die Entwicklung kundenspezifischer Lösungen in unterschiedlichen Anwendungsfeldern (siehe Leistungen).

Abbildung: Bei der hyperspektralen Bildgebung wird die betrachtete Szenerie in einer Vielzahl, häufig schmalbandiger, Wellenlängenbereiche aufgenommen. Es entsteht ein Bildstapel, der die zweidimensional aufgelöste Ortsinformation enthält. Jedes Bildpixel wird somit zum Vektor, der den spektralen Fingerprint an dieser Stelle im aufgenommenen Wellenlängenbereich enthält. Die typische Anzahl der aufgenommenen Spektren beträgt mehrere hundert.
Publikationen
Bollenbeck, F. & Seiffert, U. Application-adaptive Dissimilarity Measures for Hyperspectral Images, Machine Learning Reports, 2010, 4, 23-27
Seiffert, U. & Bollenbeck, F., Clustering of Hyperspectral Image Signatures Using Neural Gas, Machine Learning Reports, 2010, 4, 49-59
Seiffert, U.; Bollenbeck, F.; Mock, H.-P. & Matros, A. Clustering of Crop Phenotypes by Means of Hyperspectral Signatures Using Artificial Neural Networks, Proceedings of the 2nd IEEE Workshop on Hyperspectral Imaging and Signal Processing: Evolution in Remote Sensing WHISPERS 2010, IEEE Press, 2010, 31-34
Backhaus, A.; Bollenbeck, F. & Seiffert, U. Robust classification of the nutrition state in crop plants by hyperspectral imaging and artificial neural networks, In Proc. 3rd Workshop on Hyperspectral Image and Signal Processing: Evolution in Remote Sensing, WHISPERS 2011, IEEE Press, 2011
Intelligente Bildverarbeitung
Das Kompetenzfeld Biosystems Engineering entwickelt grundlegende Algorithmen und kundenspezifische Werkzeuge sowie Systemlösungen zur intelligenten Bild- und Signalverarbeitung. Seitens der Anwendungen liegt der Fokus auf hochdimensionalen biologischen Daten und deren automatisierter und hochdurchsatzfähiger Analyse unter Einbeziehung insbesondere von nicht-explizit vorhandenem Expertenwissen. Seitens der verwendeten Methodik kommen, neben klassischen mathematischen/statistischen Ansätzen, verstärkt Verfahren des maschinellen Lernens und der künstlichen Intelligenz zum Einsatz.
Publikationen
Seiffert, U.: Content Adaptive Compression of Images Using Neural Maps. Proc. of the International Workshop on Self-Organizing Maps WSOM 2005, Paris, France, pp. 227-234, 2005.
Herzog, A.; Herrmann, C.S.; Seiffert U.; Michaelis, B. & Braun, K.: Quantitative 3-D analysis of dendritic spines using geometric models. Society of Neuroscience 2010, 516.11
Automatisierte Erstellung geometrischer Modelle biologischer Objekte und Registrierung funktionaler Daten
Dreidimensionale (räumliche) oder vierdimensionale (räumlich-zeitliche) geometrische Modelle biologischer Objekte dienen vorwiegend, neben der reinen morphologischen Darstellung, der Visualisierung experimenteller Daten in ihrem räumlich-zeitlichen Kontext. Das bezeichnet man häufig als Atlasfunktionalität. Je nach Anforderungen an das Modell (z. B. örtliche Auflösung, Sichtbarkeit bestimmter Strukturen) kommen verschiedene bildgebende Verfahren zum Einsatz:
- Kernspinresonanzspektroskopie
- Konfokales Laserscanning
- Computertomographie
In manchen Fällen muss der dreidimensionale Zusammenhang anhand zweidimensionaler Bilder (z. B. histologische Schnittbilder) erst hergestellt werden.

Abbildung: Segmentiertes dreidimensionales Modelleines Gerstensamens, das aus ca. 2.500 histologischen Einzelschnitten automatisiert erstellt worden ist. Weiterhin dargestellt sind einer der zur Modellgenerierung verwendeten realen Querschnitte an seiner korrekten örtlichen Position sowie ein virtueller Längsschnitt, derin beliebigen Ansichten generiert werden kann. Diese Arbeiten wurden in Kooperation mit der Arbeitsgruppe Samenbiologie am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung Gatersleben (IPK) durchgeführt.
Die erstellten kundenspezifischen Modelle werden in einer Reihe von Projekten zur Registrierung weiterer struktureller Informationen anderer Modalitäten oder funktioneller Daten verwendet. Dadurch ist eine Abbildung bestimmter biologischer Funktionen in räumlichen oder räumlich-zeitlichen strukturellen Mustern möglich. Dazu entwickelt das Kompetenzfeld Biosystems Engineering angepasste mathematische Algorithmen und Werkzeuge, die eine automatisierte Registrierung der o. g. Daten ermöglicht.
Erst durch die Verfügbarkeit derartiger Werkzeuge im Hochdurchsatz lassen sich bestimmte biologische Fragestellungen, z. B. im Rahmen umfangreicher Mutanten-Screenings, adressieren.

Abbildung: Dreidimensionaler histologischer Atlas eines Gerstensamens mit einem automatisiert registrierten funktionalen Datensatz. Im gezeigten Beispiel ist die räumliche Verteilung eines bestimmten Peptides über einen Längsschnitt, die mittels Mass Spectrometric Imaging (MSI) bestimmt worden ist, dargestellt. Diese Arbeiten wurden in Kooperation mit der Arbeitsgruppe Angewandte Biochemie am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung Gatersleben (IPK) durchgeführt.
Diese virtuellen computerbasiertenModelle können mittels unterschiedlicher dreidimensionaler Projektionstechnik zur individuellen Verifikation sowie für Ausbildungs- und Präsentationszwecke eindrucksvoll und anschaulich dargestellt werden. Hierzu verfügt das Fraunhofer IFF Magdeburg über eine Reihe geeigneter Systeme.
Abbildung: Interaktive Visualisierung eines automatisiert erstellten dreidimensionalen Modells eines Blattstängels in der Cave des Fraunhofer IFF Magdeburg. Die Modellgenerierung erfolgte in Kooperation mit der Cell Biology and Imaging Group des James Hutton Institute Dundee, Schottland.
Publikationen
Bollenbeck, F. & Seiffert, U. Joint Registration and Segmentation of Histological Volume Data by Diffusion-Based Label Adaption, 20th International Conference on Pattern Recognition (ICPR), 2010 , 2010, 2440 -2443
Backhaus, A.; Kuwabara, A.; Bauch, M.; Monk, N.; Sanguinetti, G. & Fleming, A., LEAFPROCESSOR: a new leaf phenotyping tool using contour bending energy and shape cluster analysis, New Phytologist, 2010, 187, 251-261
Bollenbeck, F.; Pielot, R.; Weier, D.; Weschke, W. & Seiffert, U., Inter-modality Registration of NMRi and Histological Section Images using Neural Networks Regression in Gabor Feature Space, Proceedings of the IEEE Symposium on Computational Intelligence for Image Processing CIIP 2009, IEEE Press, 2009, 27-34
Bollenbeck, F.; Kaspar, S.; Mock, H.-P.; Weier, D. & Seiffert, U.; Rajasekaran, S. (Ed.) Three-dimensional Multimodality Modelling by Integration of High-Resolution Interindividual Atlases and Functional MALDI-IMS Data, Bioinformatics and Computational Biology, Springer, 2009, 5462, 126-139


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