Forschung und Entwicklungsfelder

Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF

Virtuelle Darstellung einer Kraftwerksanlage im Elbedom, im VDTC des Fraunhofer IFF Magdeburg
© Dirk Mahler, Fraunhofer IFF

Wirbelschichttechnologie

Im Bereich der thermochemischen Energiewandlung (Verbrennung, Vergasung, Pyrolyse) greifen wir auf unsere langjährigen Erfahrungen mit der Technologie der Wirbelschicht zurück. Beispielhafte Technologielinien sind dabei:

  • die Wirbelschichtfeuerung (WSF) mit nachfolgender Wärmeübertragung (z. B. Thermoölkessel, Dampf- oder Heißwasserkessel), Rauchgasreinigung und Stromproduktion mit dem ORC (Organic Rankine Cycle)-Prozess oder herkömmlichem Dampfkraftprozess sowie
  • die Wirbelschichtvergasung (WSV) mit technologiebezogener, differenzierter Brenngasreinigung und -konditionierung für die Stromproduktion mit Gasmotoren, Gasturbinen oder Brennstoffzellen.

Auf Grundlage dieser Verfahren zur energetischen Verwertung von Biomasse führen wir industrielle Vorlaufforschung zur Prozessentwicklung durch. Wir erarbeiten und testen in Pilotprojekten derartige innovative Verfahren und Technologiekombinationen.

Wirbelschichtfeuerung

Ziel des Einsatzes von Wirbelschichtfeuerungen ist es, ein breites Brennstoffband hinsichtlich Stückigkeit, Heizwert und chemischer Zusammensetzung einsetzen zu können. Dazu werden für die unterschiedlichen Brennstoffe zugeschnittene Wirbelschichtfeuerungen ausgelegt, um eine Emissions- minderung bereits an Ort und Stelle zu erreichen und auf kostenintensive nachgeschaltete Rauchgasreinigung verzichten zu können.

Wirbelschichtvergasung

  • Im Vergleich zur Wirbelschichtfeuerung mit nach-
    geschalteten Turbinenprozessen kann der elektrische Wirkungsgrad mit Hilfe der innovativen Technologie der Wirbelschichtvergasung und gekoppelten Energie-
    wandlungsprozessen erhöht werden. Diesbezüglich erforschen wir die Prozessführung zur anschliessenden Brenngasaufbereitung für die energetische Nutzung der Brenngase in Gasmotoren, Gasturbinen und Brennstoffzellen.

    Kraft-Wärme-Kopplungs-Pilotanlage

Brenngasgasreinigung

Die Vergasung von Biomasse stellt eine Möglichkeit zur effizienten und versorgungssicheren Brenngasbereitstellung auf der Basis regenerativer Energiequellen dar. Das bei der Biomassevergasung entstehende, brennbare Gasgemisch beinhaltet Wasserstoff, Kohlenmonoxid, Methan, Kohlendioxid, Wasserdampf, Kohlenwasserstoffe und ggf. Stickstoff. Ein direkter Einsatz dieses Brenngases in Gasmotoren, Turbinen oder Brennstoffzellen ist jedoch nur möglich, wenn die im Brenngas beinhalteten Schadkomponenten wie Teer, Stäube, Halogen- und Schwefelverbindungen entfernt werden können.

Auf dem Gebiet der Brenngasreinigung liegen unsere Kompetenzen auf Hochtemperaturverfahren, die durch minimierte Wärmeverluste einen effizienten Prozess mit hohem Wirkungsgrad erreichen können. Die kontinuierlich katalytische Teer- und Staubentfernung bei hohen Temperaturen wird mittels eines innovativen Verfahrenskonzepts zur Katalysatorregeneration und –rezirkulation realisiert, in dem die Teere in brennbare Gase wie Wasserstoff und Kohlenmonoxid umgewandt werden und Stäube aus dem Brenngas filtriert werden.

 

Kombinierte Gasreinigung

Bei der kombinierten Partikelentfernung und Teerreformierung kommt ein Wanderbettreaktor zum Einsatz. In diesem Reaktor werden durch Filtration abgetrennte Feststoffpartikel aus dem Reaktor transportiert und Teerkomponenten durch eine Reformierungsreaktion in Brenngaskomponenten umgewandelt.

Gasreinigung für Brennstoffzellen

In Kombination mit der Brennstoffzellentechnologie zeigt die energetische Verwertung des erzeugten Brenngases ein hohes Potenzial in Bezug auf eine nachhaltige und hocheffiziente Stromerzeugung auf, erfordert jedoch eine angepasste Gasqualität. Zudem besitzen Brennstoffzellen neben hohen elektrischen Wirkungsgraden ideale Voraussetzungen zur Kraft-Wärme-Kopplung und sind zudem geräusch- und emissionsarm.

Prozessanalyse und -optimierung

Produktionsprozesse benötigen, neben Roh- und Hilfsstoffen, auch Energie, meist in Form von Strom oder Wärme, die mit entsprechenden Energiewandlungsprozessen zur Verfügung zu stellen ist. Die Steigerung der Effizienz solcher Energiewandlungsprozesse kann, ebenso wie die Substitution fossiler Energieträger durch regenerative Energieformen, diesen Kostenfaktor entscheidend beeinflussen.

Die Nutzung von im Produktionsprozess anfallender Abwärme oder die thermische Verwertung von anfallenden Reststoffen können durch geschlossene Kreisläufe zur Erhöhung der Ressourceneffizienz und zur Kostensenkung beitragen. Die möglichst verlustfreie Verteilung und Bereitstellung der im Produktionsprozess benötigten Energieformen und die entsprechende Auswahl der Energieträger (z.B. Strom, Erdgas, Synthesegas, Wärmeträger) und deren Parameter (z.B. Dampf- oder Heisswassertemperatur, Dampfdruck) beeinflussen ebenso die Effizienz des Gesamtprozesses.

Wir analysieren unterschiedlichste Produktionsprozesse hinsichtlich des Status und der Optimierungsmöglichkeiten nach oben genannter Struktur. Wir forschen an neuen, effizienteren Energiewandlungsprozessen (z.B. Vergasungstechnologie mit Kraft-Wärme-Kopplungsprozessen).

Wir entwickeln Lösungen zur energetischen Nutzung von Abwärme und Reststoffen (u.a. auch landwirtschaftliche Reststoffe) in enger Kooperation mit industriellen und öffentlichen Auftraggebern.    

  

Elektromobilität

Die für die nächsten Jahre prognostizierte zunehmende Zahl von Elektrofahrzeugen bietet eine Möglichkeit der Speicherung von Elek­troenergie.

Eine der Leitfragen, die wir am Fraunhofer IFF in diesem Zusammenhang bearbeiten, lautet: Wie lässt sich die Mobilität des Menschen unter Nutzung von Elektrofahrzeugen bei maximierter und dadurch auch effizienter Verwendung erneuerbarer Energien sicherstellen? Welche Systeme, bestehend aus Komponenten und Elementen, müssen neu entwickelt werden, um die neuen komplexen Aufgaben zu beherrschen?

Wir entwickeln einen ganzheitlichen Ansatz für ein entsprechendes Mobilitätssystem. Dabei betrachten wir alle möglichen Komponenten: von der Fahrzeugbatterie, über Ladestationen und mobile Mobilitätsanwendungen bis hin zu einem übergeordneten Leitsystem, das die Steuerung des Smart Grid übernimmt.

Elektrofahrzeuge erobern den Harz

  • Im Projekt Harz.EE-mobility, einer der IKT für Elektromobilität Modellregionen, wird untersucht, wie regional erzeugte, erneuerbare Energie optimal für elektrisch betriebene Fahrzeuge genutzt und kontrolliert in das Smart Grid eingebunden werden kann. Elektrofahrzeuge sind dabei als mobile Speicher eine vielversprechende Möglichkeit zur Last-Balancierung im intelligenten Energie-Netz der Zukunft.

    Elektrofahrzeuge im Harz

Elektromobilität im industriellen Umfeld

  • Innerhalb von Unternehmen existiert ein großes Potenzial, bei der Durchführung innerbetrieblicher Transporte Elektrofahrzeuge einzusetzen. Hinsichtlich des Einsatzes der Elektromobilität ergeben sich gegenüber dem öffentlichen Bereich weitere Vorteile, wie geringere Geschwindigkeiten und einfachere Möglichkeiten, Ladestationen zu installieren. Dieses Thema untersuchen wir gegenwärtig gemeinsam mit dem Betreiber eines großen Chemieparks im Süden Sachsen-Anhalts.

    Industrie nutzt IFF Technologie

Elektrofahrzeuge als Teil eines virtuellen Kraftwerks

  • Das Projekt RegModHarz als eine der E-Energy Modellregionen beschäftigt sich unter anderem mit Regulierungsmechanismen für die Steuerung der Ladung von Elektrofahrzeugen, um sie als Teil eines sogenannten Virtuellen Kraftwerkes in das Elektrizitätsversorgungssystem einzubinden. Über Steuersignale und Tarifanreize wird sichergestellt, dass auch bei einem hohen Anteil an Elektromobilität und einem fluktuierenden Angebot an erneuerbaren Energien sowohl die Versorgungssicherheit für elektrische Energiesysteme gewährleistet bleibt als auch die Ladung der Elektrofahrzeuge unter Nutzung erneuerbarer Energien in optimaler Weise erfolgt.

    Regenerative Modellregion Harz
  • Dr. Przemyslaw Komarnicki

    Dr.-Ing. Przemyslaw Komarnicki

    Leiter Elektrische Energiesysteme

    Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF

    Joseph-von-Fraunhofer-Str. 1
    39106 Magdeburg

    • Telefon +49 391 4090-373
    • Fax +49 391 4090-370

Netzplanung, -überwachung und -steuerung

Die Energieversorgungssysteme werden sich grundlegend ändern. Es ist zu erwarten, dass beispielsweise die Verteilungsnetze eine zunehmende Verantwortung für den Betrieb des Gesamtsystems übernehmen. Diese werden nicht nur für die Anlagenüberwachung sowie die Steuerungs- und Versorgungssicherheit zuständig werden, sondern auch die Systemdienstleistungen bereitstellen. Sowohl diese Veränderungsprozesse als auch die Liberalisierung des Energiemarktes und die zunehmende Anzahl der regenerativen Energiequellen sollen nicht die Netzbeobachtbarkeit, die Netzsteuerbarkeit und den Netzschutz beeinträchtigen. Deshalb forschen wir an den unterschiedlichsten Komponenten wie:

  • die Stromerzeugung aus regenerativen Energiequellen und deren Verteilung,
  • die stationären und mobilen Speicher (Elektromobilität) sowie
  • die Verbraucher als Senken im elektrischen Netz.

Im Zusammenhang damit stehen die Informations- und Kommunikationstechnologien für die elektrischen Netze und deren Komponenten. Dieses intelligente Gesamtsystem der Zukunft entwickeln wir mit unterschiedlichen theoretischen (Simulationsmodelle, Architekturkonzepte) und praktischen (Mess- und Überwachungssysteme, Softwareapplikationen) Werkzeugen.

 

Netzplanung und -simulation

Elektrische Netze befinden sich durch die verteilte, dezentrale Einspeisung in der Umstrukturierung. Wir berechnen und simulieren elektrische Netze. Damit lassen sich sowohl die Notwendigkeit von Ausbaumaßnahmen ermitteln als auch die Netze optimieren und an ihre maximale Übertragungsfähigkeit heranführen.

 

Netzüberwachung

Regenerativ erzeugte elektrische Energie muss optimal in das Verteilungsnetz eingebunden werden. Angesichts eines immer stärkeren Ausbaugrades der erneuerbaren Energien stellen wir Systeme der Netzüberwachung und -steuerung bereit, die bei einer hochgradig regenerativen Einspeisung die Stabilität des Netzes und somit die Versorgungssicherheit gewährleisten. Phasor Measurement Units (PMU) sind neuartige Messgeräte zum umfassenden Zustandsmonitoring des Netzes. Wir entwickeln Applikationen zur Auswertung der gelieferten Daten, mit denen sich die Stabilität des Netzes verbessern lässt. Innerhalb der folgenden Projekte entwickeln wir innovative Lösungen zur Überwachung elektrischer Energiesysteme:

Netzsteuerung und -schutz

Die dezentrale Einspeisung aus fluktuierenden Energiequellen erschwert den Netzbetrieb und die Regelung des Netzes. Zurzeit kann die fluktuierende Einspeisung der erneuerbaren Energiequellen durch die Regelkraftwerke ausgeglichen werden. Zukünftig muss im Gegensatz zu wenigen Grundlast- und Spitzenlastkraftwerken eine Vielzahl von kleinen Erzeugern in das Kontroll- und Regelsystem einbezogen werden. Darüber hinaus bieten sich Möglichkeiten der Einflussnahme auf den Verbrauch

Die Wandlung der Stromnetze hin zu Smart Grids und die Einbindung der Elektromobilität in die Stromnetze weisen ein erhebliches Forschungspotenzial auf. Das Fraunhofer IFF beteiligt sich in den folgenden Forschungsvorhaben an dieser interessanten Aufgabe:

  • Dr. Przemyslaw Komarnicki

    Dr.-Ing. Przemyslaw Komarnicki

    Leiter Elektrische Energiesysteme

    Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF

    Joseph-von-Fraunhofer-Str. 1
    39106 Magdeburg

    • Telefon +49 391 4090-373
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