Knotenpunkt für Digitalisierung der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt

12.3.2018

Das Fraunhofer IFF ist seit 2018 europäischer »Digital Innovation Hub« - und damit Knotenpunkt Sachsen-Anhalts für die europäische Vernetzung im Bereich Digitalisierung und Industrie 4.0.

© Armin Okulla

Das VDTC des Fraunhofer IFF im Magdeburger Wissenschaftshafen.

© Fraunhofer IFF

Christian Blobner, Leiter Internationale Forschungsnetzwerke, Fraunhofer IFF.

Trotz aller Bemühungen: Im Vergleich mit der globalen Konkurrenz schreitet die Digitalisierung und Vernetzung der Wirtschaft in Europa derzeit nicht schnell genug voran. Die Digitalisierung der europäischen Industrie gehört deshalb zu den zentralen Zielen der Europäischen Union. Teil davon ist die Initiative »Digital Innovation Hubs«, die von der EU-Kommission 2016 ins Leben gerufen wurde. Europaweit werden dafür jährlich 100 Millionen Euro aus dem EU-Forschungsrahmenprogramm Horizont 2020 für regional ausgerichtete Digital Innovation Hubs, also Einrichtungen zur Förderung digitaler Innovationen, investiert. Die EU will so insbesondere die regionale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bereich der Digitalisierung, europaweite thematische Partnerschaften sowie den Erfahrungsaustausch zum Nutzen aller beteiligten Akteure unterstützen.

In Sachsen-Anhalt wurde mit dem »Virtual Development and Training Centre« VDTC des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF in Magdeburg nun ebenfalls solch ein »Digital Innovation Hub« etabliert. Dass das für die regionale Wirtschaft von Bedeutung ist, betont Christian Blobner, Leiter Internationale Forschungsnetzwerke am Fraunhofer IFF: »Für kleine und mittelständische Unternehmen in Sachsen-Anhalt gilt das VDTC schon lange als Kompetenzzentrum zum Thema Digitalisierung. Die Ernennung zum ›Digital Innovation Hub‹ gibt Unternehmen nun erweiterte Möglichkeiten, auf eine grenzüberschreitende, europäische Unterstützungsinfrastruktur bei ihrer Umstellung auf digitale Prozesse zurückzugreifen. Das schafft für sie darüber hinaus eine größere Sichtbarkeit in Richtung Europa und fördert nicht zuletzt die Internationalisierung der Unternehmen.«

Strukturellen Wandel unterstützen

Die Digitalisierung zwingt die Wirtschaft, und hier nun verstärkt auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU), ihre Produktions- und Geschäftsprozesse sowie ihre Geschäftsmodelle grundlegend zu verändern. Doch tut sich besonders der Mittelstand noch schwer, den technologischen Wandel zu akzeptieren und eigene Schritte in diese Richtung zu unternehmen. »Hier knüpft die Grundidee der Digital-Innovation-Hub-Initiative an,« sagt Christian Blobner. »In der Zusammenarbeit von Start-ups, etablierter Wirtschaft und Wissenschaft sollen ›wirtschaftliche und technische Ökosysteme‹ geschaffen werden, in denen vor allem KMU bei der Bewältigung des strukturellen digitalen Wandels Unterstützung finden können.«

Das VDTC des Fraunhofer IFF agiert in diesem Ökosystem als zentraler Knotenpunkt und Anlaufstelle für Unternehmen. Firmen können sich somit auch über die Grenzen Sachsen-Anhalts und Deutschlands hinaus zu Fragen und erfolgreichen Lösungen im Rahmen der Digitalisierung ihrer Prozesse austauschen. Im Gegenzug bekommen Unternehmen aus anderen Ländern die Möglichkeit, über das Netzwerk der »Digital Innovation Hubs« auf die Kernkompetenzen der Experten für Digitalisierung aus dem Fraunhofer IFF zurückzugreifen. Da das Forschungsinstitut darüber hinaus auch sehr eng mit der Initiative Kompetenzzentrum »Mittelstand 4.0« und weiteren Netzwerken zum Thema Digitalisierung in Sachsen-Anhalt kooperiert, wächst so in Magdeburg ein bedeutender Knotenpunkt für die digitale Vernetzung der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt und Europa heran.

Info

Seit seiner Gründung im Jahr 1992 arbeitet das Fraunhofer IFF an Methoden zur Digitalisierung von Prozessen und Produktionsmethoden. In den Hightech-Laboren arbeitet man eng und interdisziplinär mit industriellen Anwendern und innovativen Dienstleistern zusammen. Das Virtual Development and Training Centre VDTC des Fraunhofer IFF ist seit Beginn der Planungen ab 2001 als Leuchtturm für die Digitalisierung in Sachsen-Anhalt konzipiert und erhielt bereits 2004 den „European Regional Innovation Award“ der Europäischen Kommission. Die Kommission würdigte insbesondere den Ansatz des Instituts, den regionalen strukturellen Wandel durch digitale Technologien zu unterstützen. Als international zuletzt besonders erfolgreich erweist sich der branchenunabhängige »Industrie-4.0-CheckUp«, mit dem das Digitalisierungspotenzial eines Unternehmens systematisch analysiert und anschließend effektive Maßnahmen für das Unternehmen individuell geplant werden können.