Rückbau von Altgebäuden besser planen und Rohstoffe gezielter erschließen

Wer in Altgebäuden demontiert und entkernt, muss vorab einschätzen können, welche Materialien in der Gebäudeausstattung und Bausubstanz stecken, welche Bauteile und technische Anlagen noch verwertbar sind und wo Risiken durch Schadstoffe liegen. Genau das ist in der Praxis oft schwierig: Materialarten, Zustände und Werthaltigkeit unterscheiden sich im Einzelfall stark, teilweise von Raum zu Raum.

Das Projekt IDERO greift diese Lücke auf. Es entwickelt ein intelligentes, sensor- und computergestütztes Verfahren zur Bestandsaufnahme entrümpelter Gebäude und zur automatisierten Auswertung der erhobenen Daten für eine umfassende und detaillierte Grundlagenermittlung. Die so entstehende Datengrundlage soll Rückbau, Verwertung und Entsorgung besser planbar und Urban-Mining-Potenziale früher sichtbar machen.
 

Warum Rückbau und Entkernung in Altgebäuden oft schwer planbar sind

In Altgebäuden trifft man auf sehr unterschiedliche Ausgangslagen. Neben klassischen Materialien fallen bei Demontage und Entkernung auch technische Anlagen, Einbauten und teils noch intakte Bauteile an. Ihr Zustand und ihr Lebenslaufbeeinflussen, ob sie entsorgt, wiederverwendet oder als Quelle für Sekundärrohstoffe recycelt werden können. Ohne belastbare und tiefgehende Bestandsdaten lässt sich der Aufwand für Rückbau und Verwertung nur grob abschätzen.

Typische Herausforderungen sind:

  • stark wechselnde Materialzusammensetzungen in Gebäuden
  • unklare Werthaltigkeit von Bauteilen und Anlagen
  • Risiken durch Schadstoffe und Emissionen
  • hoher Aufwand für Vorplanung, Verwertung und Entsorgung

Bessere Datengrundlagen für Rückbau, Verwertung und Schadstoffbewertung

Das Fraunhofer IFF entwickelt im Projekt IDERO ein Informationshub, das Daten aller Art über entrümpelte Gebäude und Räume einschließlich technischer Gebäudeausstattung in den Wänden aufnimmt und als Grundlage für die Entwicklung von Rückbau- und Entsorgungskonzepten nutzt. Dies soll insbesondere Vermessungsingenieure, Architektinnen und Architekten sowie weiteren Planungsbeteiligten helfen, die Situation vor dem Rückbau systematischer zu erfassen: Verwertungsmöglichkeiten für Sekundärrohstoffe sind früher erkennbar. Gleichzeitig können Risiken durch Schadstoffe und Emissionen besser bewertet werden.

Adressiert werden damit vor allem Anforderungen aus Rückbau- und Sanierungsprojekten, in denen Entscheidungen früh fallen müssen, die Datenlage dennoch lückenhaft ist.

So funktioniert der Ansatz im Projekt: Sensorik, Datenplattform und digitales Abbild

Im Projekt wird ein sensor- und computergestütztes Verfahren für die Bestandsaufnahme entwickelt. Es kombiniert Sensorsysteme und IT-Werkzeuge zur Erfassung und Auswertung von Daten zu Altgebäuden mit einer Informationsplattform für die Grundlagenermittlung. Auf dieser Basis werden die erhobenen Daten zu einem digitalen Abbild des jeweiligen Objekts zusammengeführt. Künstliche Intelligenz und digitalisiertes Erfahrungswissen sollen dabei helfen, aus den Daten Rückschlüsse auf Rückbaupotenziale, Sekundärmaterialien und Risiken zu ziehen.

In die Datengrundlage fließen unter anderem ein:

  • visuelle Vermessungsdaten
  • textbasierte Stammdaten
  • Kontextwissen zum Objekt
  • Daten aus Sichtung, Vermessung, Beprobung und Modellierung
  • Informationen zu Regularien, Entsorgungswegen und Verwertungsmöglichkeiten

Anwendungsbeispiele in der Praxis: Bestandsaufnahme, Schadstoffkataster und Verwertung

Der Nutzen des Vorhabens wird dort greifbar, wo Rückbauprojekte heute viel manuelle Vorarbeit verlangen. Das im Projekt entwickelte Verfahren soll Beteiligte bereits in der Vorplanung unterstützen und Wissen aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen. So wird aus einer aufwendigen Einzelerhebung schrittweise eine strukturiertere Entscheidungsgrundlage.

Für Unternehmen mit ähnlichen Aufgabenstellungen zeigt IDERO einen klaren Entwicklungspfad: Das Vorgehen bei der Demontage und Entkernung sollen nicht erst auf der Baustelle entschieden werden, sondern früher auf einer belastbareren Datenbasis.

Das kann helfen:

  • Verwertungspotenziale und Risiken in der Bausubstanz und Gebäudeausstattung vollständig zu erkennen, 
  • Schadstoffkataster automatisiert vorzubereiten,
  • Entscheidungen zur Entsorgung oder Weiterverwendung besser vorzubereiten,
  • geeignete Dienstleister für Verwertung und Entsorgung in Objektnähe zu identifizieren und
  • das Potenzial für Urban Mining in Rückbau-Projekten auszuschöpfen.

Erwarte Projektergebnisse in IDERO

  • ein intelligentes Verfahren zur Bestandsaufnahme entrümpelter Gebäude und Räume
  • eine umfassende Datengrundlage für Rückbau- und Entsorgungskonzepte
  • ein detailliertes digitales Abbild des jeweiligen Objekts
  • Unterstützung bei der Identifikation von Sekundärrohstoffen u.a. durch Analyse des Spektrums mit Spektrometer, Hyperspektralkameras und KI
  • Unterstützung bei der Bewertung von Schadstoff- und Emissionsrisiken

 

Fachlich verantwortlich:

Matthias Vorbröcker, M. Sc. – Experte für anwendernahe IT, künstliche Intelligenz und Datenverarbeitung

Dr. Uwe Klaeger – Menschzentrierte Arbeitssysteme, MRK-Integration und Sicherheit

Tino Nagelmüller – Logistik- und Fabriksysteme, Integrale Fabrikplanung

Seite zuletzt fachlich geprüft: 07.2026

Projektinfo

Projekttitel

IDERO – Intelligente Demontage und Entkernung als Rohstoffquelle

Stichworte

Rückbau Altgebäude, Entkernung planen, Urban Mining, Sekundärrohstoffe Bau, digitale Bestandsaufnahme Altgebäude, Schadstoffbewertung Rückbau, Rückbaukonzept, Entsorgungskonzept Bau, Hyperspektralmesstechnik, KI

Projektlaufzeit

11.2025 bis 10.2028

Projektpartner

  • bgis Kreative Ingenieure GmbH
  • Fraunhofer IFF
  • SCHIELICKE BAU Hoch-, Tief- und Ingenieurbau GmbH

Projektförderung

Gefördert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Förderbekanntmachung »Urban Mining: Erschließung anthropogener Lager als Rohstoffquelle«. BMFTR-Förderkennzeichen: 033R419A