Vorstudie in Ilsenburg startet
Industrie, Energie und Region gemeinsam transformieren
Mit dem Projektauftakt in der Stadtverwaltung Ilsenburg startet die Vorstudie „Smart Industry Orchestration Ilsenburg“. Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Wissenschaft, Politik und Kommune beraten gemeinsam, wie die Transformation energieintensiver Industrieprozesse am Standort Ilsenburg vorbereitet und zugleich als Ausgangspunkt für die Entwicklung eines regionalen Industrie- und Energieclusters genutzt werden kann.
Ausgangspunkt ist die anstehende Transformation der zentralen Hochtemperaturprozesse der Ilsenburger Grobblech GmbH. In einer parallel durchgeführten Analyse werden hierfür unterschiedliche technologische Entwicklungspfade betrachtet. Die Vorstudie greift die daraus resultierenden Transformationsoptionen und zukünftigen Energiebedarfe auf und untersucht, welche Anforderungen und Potenziale sich daraus für Energieversorgung, Infrastruktur und das regionale Umfeld ergeben.
Für die Ilsenburger Grobblech GmbH steht die Transformation in engem Zusammenhang mit der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandortes. Dabei geht es nicht allein um die Wahl einer zukünftigen Technologie, sondern ebenso um die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen.
„Die Stahlindustrie steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Unser Ziel ist es, auch künftig wettbewerbsfähig hochwertige Bleche in Ilsenburg zu produzieren. Dafür müssen wir bereits heute die richtigen Weichen für die kommenden Jahrzehnte stellen. Entscheidend ist, dass technologische Transformation, eine verlässliche Energieversorgung und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen zusammenpassen“, erklärt Dr. Robert Kühn, Vorsitzender der Geschäftsführung der Ilsenburger Grobblech GmbH.
Die Vorstudie richtet den Blick deshalb bewusst über die Grenzen des Unternehmens hinaus. Relevante Unternehmen und Akteure sowie bestehende und geplante Energieinfrastrukturen im Umfeld sollen betrachtet und mögliche regionale Synergien identifiziert werden. Für die Stadt Ilsenburg eröffnet sich damit die Chance, industrielle Transformation und Standortentwicklung frühzeitig miteinander zu verbinden.
Bürgermeister Denis Loeffke betont: „Die Ilsenburger Grobblech GmbH ist ein zentraler Bestandteil unseres Wirtschaftsstandortes. Die Ergebnisse dieses Projektes können wichtige Impulse für die Zukunft des Industriestandortes, die Sicherung von Arbeitsplätzen und die Weiterentwicklung unserer Region liefern. Deshalb unterstützen wir diesen Ansatz ausdrücklich.“
Begleitet wurde der Projektauftakt seitens des Ministeriums für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt durch Uwe Zischkale, Abteilungsleiter für Energie, Nachhaltigkeit und Strukturwandel. Der fachliche Austausch spannte den Bogen von der Transformation der Stahlproduktion über die zukünftige Energie- und Wärmeversorgung Ilsenburgs bis hin zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für klimafreundliche Produktion. Eine wichtige Rolle spielte dabei auch die Frage, wie Leitmärkte für klimafreundlich erzeugten Stahl die industrielle Transformation unterstützen können.
Ziel der ersten Projektphase ist ein regionales Zielbild. Dazu sollen relevante Kopplungspotenziale und infrastrukturelle Anforderungen identifiziert und die Voraussetzungen für mögliche nächste Entwicklungsschritte bewertet werden.
„Die Transformation energieintensiver Industrie endet nicht am Werkstor“, erklärt Dr. Franziska Sondej vom Fraunhofer IFF. „Verändern sich Produktionsprozesse und Energiebedarfe, muss auch das zukünftige Energiesystem darauf ausgerichtet werden. Für eine zunehmend vernetzte und automatisierte Produktion müssen Produktion und Energieversorgung künftig intelligent aufeinander abgestimmt werden. In Ilsenburg wollen wir untersuchen, wie industrielle Bedarfe, Energieerzeugung und Infrastruktur sinnvoll miteinander verbunden werden können und welche Chancen daraus für den gesamten Standort entstehen.“
Die Ergebnisse der Vorstudie sollen eine belastbare Grundlage für die Entscheidung schaffen, ob und in welcher Form der Ansatz in einer weiterführenden Umsetzungs- oder Demonstrationsphase fortgeführt werden kann.